Reifen beim Slotcar…

„Die Reifen sind durch…“

Ja, der Spruch „Da ist das Profil runter!“ geht bei Reifen die im Bereich Racing genutzt werden nicht, es ist da eigentlich egal, ob es im Maßstab 1:1 oder 1:32 statt findet.

Beim Slotcarracing, also im Maßstab 1:24 bis 1:64 ist die Reifenwahl und die Reifenkonsistenz ebenfalls wichtig. Ganze Internetforen werden mit Philosophien davon gefüllt. Wenn man sich einmal damit beschäftigt, ist man erstaunt und verwundert, wie viele verschiedene Theorien und wie viele Tipps und Tricks es dazu gibt.

Natürlich bietet jeder Slotcarhersteller zu dem Modell einen Satz Reifen an. Meist ist dieser aus einem Gummi oder Gummigemisch. Hier hat sich in den letzten Jahren die Qualität sehr verbessert, so das der normale Nutzer im wohnzimmerlichen Heimbetrieb kaum Kritik auf bringt.

Nun verwenden verschiedene Interessengruppen unterschiedliche Reifen, immer mit dem Ziel die Geschwindigkeit zu erhöhen, da sich mit besseren Reifen auch die Fahreigenschaften verbessern.

Es gibt also die Original Gummi Gemisch Reifen der Hersteller, dann gibt es Reifen aus Moosgummi – so genannte Moosis -, PU – oft unter dem Namen Ortmänner zusammen gefasst – und Selikon.

 

Reifen schleifen:

Reifen werden „geschliffen“, um Unwuchtungen der Felge, des Reifens und der Achse auszugleichen. Selikonreifen müssen angeblich nicht geschliffen werden. Zum Schleifen gibt es unterschiedliche Methoden, Ziel jeder Methode ist es, den Reifen eine glatte Oberfläche zu geben und Unwuchtungen auszugleichen. Es gibt dazu die Möglichkeit, das Slotcar selber als Schleifantrieb zu nehmen, es gibt aber auch spezielle „Reifenschleifmachinen“ – HUDY und RSM3 sei hier nur als Beispiel genannt -.
Nun gibt es zu den unterschiedlichen Materialien auch einen ganzen Wald von Gerüchten, klar ist das jeder Reifen seine Vor- und Nachteile hat.

 

PU Reifen:

Hartnäckig hielt sich ein Gerücht, das PU Reifen die Bahnen „glätten“ würden und die Bahn dann für immer Beschädigt sei und nur mit unverhältnismäßig viel Aufwand wieder repaiert werden könne. Aus diesem Grund einige Erfahrungen und Wissenseinblicke zu PU – Reifen, egal von welchem Hersteller:

 

Allgemeines:

Polyurethane entstehen durch die Polyadditionsreaktion von Polyisocyanaten mit mehrwertigen Alkoholen, den Polyolen.
Aus PU werden z.B. Gummistiefel, Beschichtungen, Matratzen, Fußbälle, Kondome und vieles mehr hergestellt.
Im Bereich des Slotracings wurde mit Vergussmassen für die Elektroindustrie experimentiert und Mitte der 90er Jahre wurden die ersten PU Reifen von Stefan Wiesel gefertigt der diese dann für die Szene bereit stellte. Im weiteren Verlauf kamen Michael Ortmann und Guido Dickel mit PU-Reifen auf Basis der Mischung von Stefan Wiesel auf den Markt.
Diese Aufteilung hat bis 2008/2009 hervorragend funktioniert und die Reifen waren bis dahin unter den Namen DOW-Reifen in der Szene weit verbreitet.

Durch eine neue Chemikalien-Verbotsverordnung wurde der Stoff Isocyanat, der als Härter für Polyurethan Gießharze eingesetzt wird, von der EU reglementiert. Die Produzenten für Gießharze mussten auf diese Situation reagieren und entwickelten neue Produkte mit geringfügig anderen Eigenschaften.
Leider waren die geringfügig anderen Eigenschaften für die PU-Reifen nicht geringfügig, sondern hatten zur Folge, dass die Haftung stark nachließ.
Die Anbieter Dickel, Ortmann und Wiesel waren also gezwungen ein neues Gießharz zu finden, das die ursprünglichen Eigenschaften des alten Materials aufweist.
In dieser Zeit waren dann im Wochenrhythmus neue Mischungen und neue Anbieter auf dem Markt. Es dauerte ca. 1 – 2 Jahre bis sich die neuen PU-Reifen etabliert hatten und alle wieder zufrieden mit der Qualität der Produkte waren.
Die Aufteilung des Marktes hat sich dadurch komplett gewandelt. Es existiert eine Vielzahl an Anbietern mit verschiedenen Mischungen, die alle, auf Basis eines Gießharzes, PU-Reifen anbieten.
Die wesentlichen Unterschiede sind die Shore – Härte und die Beimengung von Füllstoffen.

PU-Mischungen können übrigens kein Silikon enthalten, denn dieser Stoff lässt sich nicht untermischen.

In den verschiedenen Foren kursieren immer wieder Aussagen, dass PU-Reifen einen negativen Einfluss auf andere Reifen haben.
Auch von PU-Hersteller zu PU-Hersteller soll es Beeinflussungen geben. Gerne wird der Ortmann Reifen als Stellvertreter für alle Reifen dieser Zusammensetzung genannt.

Dazu folgendes:
Sämtliche PU-Mischungen geben einen sehr feinen Abrieb/Staub auf die Bahn und säubern zudem die Bahnoberfläche von Moosgummi- Gummi- und Haftmittelbelag.
Dies bedeutet, dass ein Mischbetrieb mit anderen Reifen nicht funktioniert und eine gewisse Rundenzahl gebraucht wird, bis sich der jeweilige Reifen seinen „Belag“ geschaffen hat, um optimal zu arbeiten.

Qualität, unterschiedlicher Gripp von Charge zu Charge.
Alle Hersteller fertigen in relativ kleinen Mengen und es kann durchaus vorkommen, dass vereinzelt Blasen auftauchen und die Mischungen geringfügig von der Vorigen abweicht.
Wenn ich aber in den Foren lese, dass ein neuer Reifen nicht mehr funktioniert, dann bin ich mir absolut sicher, dass in den meisten Fällen das Werkzeug, das Geschick und das Wissen über die Aufbereitung solch eines Reifens fehlt.
Schlagworte sind Verkleben, Schleifen, Rundung, Konus, Fahrwerk, Abstimmung, usw.

 

Beeinflussung der Reifen untereinander:

1. Bei Kunststoffbahnen, die im Mischbetrieb mit Moosgummi, Gummi und PU-Reifen gefahren werden baut sich mit der Zeit eine „Haftschicht“ auf, die aus den verschiedenen Komponenten besteht.
Auf solchen Bahnen braucht es nur wenige Runden, um den Gripp für den jeweiligen Reifen herzustellen.

2. Bei Kunststoffbahnen, die nur mit PU-Reifen befahren werden, gibt es diese Haftschicht nicht und es braucht sehr lange, bis ein anderer Reifen den notwendigen Belag aufgefahren hat.

3. Bei Holzbahnen wird oft Glue aufgebracht, um eine Haftschicht zu erzeugen, die für alle Reifen geeignet ist. Es legt sich dadurch eine feine, klebrige Schicht auf die Fahrspur, die sämtlichen Abrieb bindet und somit gleichmäßigen Gripp, egal mit welchem Material gefahren wird, aufweißt.

4. PU Reifen beeinflusst PU Reifen
Durch die unterschiedlichen Shore-Härten und der Beimengung von Füllstoffen ist es durchaus möglich, dass Reifen A den Reifen B beeinflusst.
Meine Erfahrung ist, dass dies auf Holzbahnen und Kunststoffbahnen die im Mischbetrieb gefahren werden, keinen oder nur geringfügigen Einfluss hat und nach wenigen Runden nicht mehr spürbar ist.
Auf Bahnen die nur mit PU-Reifen befahren werden, kann dies einen stärkeren Einfluss haben.

5. Silikon Reifen
Hier kann ich nur auf Aussagen aus Forum und von Leidtragenden zurückgreifen und auf einige wenige Test. Eine mit Silikonreifen befahrenen Bahn nimmt allen anderen Mischungen (Moosgummi, Gummi, PU, usw.) komplett den Gripp und nur durch eine Reinigung der Oberfläche kann wieder mit anderen Reifen gefahren werden. Dieses liegt an der Tatsache, dass Silikon Öl anstatt Abrieb absondert. Es gibt hier sicherlich den einen oder anderen Hersteller, der diese Öl Austritt minimiert hat. In einigen Test kann man aber sehen, wo z.B. ein Silikonreifen eine „glitzernde“ Spur auf der Bahn zieht. Ein Vorteil ist, dass Silikonreifen angeblich nicht geschliffen werden müssen, dafür aber sich nach einiger Zeit ein feiner Ölfilm auf der Bahn bildet.

Ich hoffe, dass ein wenig Licht in die Welt der PU-Reifen, den Beeinflussungen, der Unverträglichkeiten und vor allem zu den kursierenden Geschichten gefallen ist.

 

Folgen bei „abgefahrenen“ Reifen:

Wenn sich Reifen abnutzen, verringert sich der Abstand zwischen Slotcar und Schiene. Fährt man also mit den im Slotcar üblichen Magneten, so kommt es zu folgendem Effekt: Desto geringer der Abstand des Unterbodens zur Schiene, desto stabiler wird die Kurvenfahrt und desto geringer die Höchstgeschwindigkeit.

Dieser Effekt kann dann noch verstärkt werden, wenn der Magnet die Schiene – Kunststoffbahnen – „hoch“ zieht und das Slotcar aufsitzt. Dieses merkt man dann, dass an Scheitelpunkten das Fahrzeug „hängen“ bleibt.

Ist die Magnetkraft geringer, aber die Reifen herunter gefahren, so kann es zu einem Effekt kommen, dass das gefahrene Slotcar plötzlich an ganz anderen Stellen aus dem Slot „abfliegt“. Dieses kann dann daran liegen, dass das Slotcar auf den Leiterbahnen der Schiene – Kunststoffbahn – aufsitzt und die Reifen den Gripp verlieren.

 
20150306_230819[1]Anbei ein Bild eines rechten Hinterreifens eines Audi A5 DTM von 2013. Hier waren die Reifen schon sehr weit runter gefahren, ein Fahren mit konkurrenzfähigen Geschwindigkeiten nicht mehr möglich. Im Radkasten ist der Abrieb des PU – Reifens zu erkennen.

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